Registriert seit: 21.09.2006
|
AW: Odins Krankentagebuch - Epilepsie beim Hund , Ehrlichiose , Rickettsiose (Arwen, 03.05.2008, 15:44)
Genau wie beim letzten Mal waren es drei Wochen, die Odin anfallsfrei war.
Diesmal war es aber so heftig, wie noch nie zuvor.
Heute 0.55 Uhr wurde ich durch die typischen Kratzgeräusche geweckt, d.h. ich bin regelrecht aufgesprungen.
Da lag Odin und hatte wieder einen Grand Mal Anfall. Wie schon bei den vorherigen Anfällen hat er 45 Sekunden gedauert. Ich habe beruhigend auf ihn eingesprochen und gerade die Handtücher unter seinen Bauch geschoben um seinen Urin aufzusaugen, da stierte er mich total abwesend an. So, als wolle er sagen,.... nimm deine Hände von mir, gleich kann ich nichts mehr steuern. Und schon kam der nächste Anfall. Es waren gerade 5 Minuten vergangen. Da Odin so da lag, dass er sich nicht verletzen konnte, bin ich schnell in die Küche gelaufen und habe die Diazepam- Zäpfchen geholt. Sofort hat er eins bekommen. Nachdem Odin wieder ansprechbar war, habe ich ihn abgewischt und seinen Urin entfernt. Dann ist er aufgestanden und hat ganz viel getrunken. In der Küche ist er zur Futtertonne gegangen und hat mit der Pfote daran gekratzt. Nach zwei "Marathonläufen" hatte Odin natürlich richtig Hunger. Nachdem er eine Hand voll Trockenfutter gefressen und noch mal ordentlich getrunken hat, ist er erschöpft eingeschlafen. 30 Minuten später hatte er den dritten Anfall, wieder habe ich ihm ein Zäpfchen gegeben. Jetzt war auch schon Ky da, den ich angerufen hatte. Wir haben Odin beruhigt, frische Handtücher untergelegt, den Puls gemessen und ihn sauber gemacht. Wenig später bekam er den vierten Anfall, wieder ein Zäpfchen. Aber Odin fand keine Ruhe. Er ist in der Wohnung herum gelaufen und gegen die Möbel gestoßen. Auch diesmal hat er viel getrunken und wollte Futter.
Nun war es aber an der Zeit nach der Nummer vom Tierarzt zu schauen. Da krampfte Odin zum fünften Mal in zwei Stunden(er bekam das 4.Zäpfchen). In der Zeit, wo ich mich um Odin kümmerte hat Ky den Tierarzt in Uetersen angerufen.
Wir haben Odin, der nicht mehr laufen wollte auf eine Decke gelegt und 43kg, die bei total erschlafften Muskeln um Einiges mehr wiegen, zum Auto getragen.
Bei dichtem Nebel sind wir dann zum Tierarzt gefahren (6.Anfall). Dort wurden wir schon erwartet. Da die Tierärztin nicht unsere behandelnde Ärztin ist, haben wir ihr in Kurzform Odins Krankengeschichte erzählt. Sie hat dem Großen noch 10mg Diazepam gespritzt. Danach ist Odin noch mal durch das Behandlungszimmer getigert und dann erschöpft auf seine Decke gefallen.
Da kein Mensch weiß, wann der nächste Anfall kommt und wir keine neue Serie haben wollten, hat die Ärztin in ihrem schlauen Buch nachgeschaut, was man noch tun kann. Dabei stößt man unweigerlich auf die wegweisenden Veröffentlichungen von Prof. Dr. Schwartz-Porsche. Deshalb wurde Odin eine Braunüle gelegt und wir bekamen ein Notfallmedikament und Zäpfchen mit.
Die Ärztin hat uns alles genau erklärt, wir haben unseren Großen ins Auto gepackt und sind nach Hause gefahren.
Hier haben wir ihn wieder in die Wohnung getragen, wo er tief und fest weiter geschlafen hat.
7 Uhr gab es dann das Luminal, das nach Rücksprache mit Frau Dr. Jensen nun auf morgens 2Tabletten und abends 2 Tabletten hoch gesetzt wurde. Bei jedem Anfall bekommt Odin sofort 3 Diazepam und wenn das nicht hilft Pentobarbital gespritzt.
Wir werden jetzt in Notfällen immer nach Uetersen fahren. Die Ärztin gibt sich große Mühe, man kann mit ihr reden und alles hinterfragen. Sie hat einige Epilepsie Patienten und informiert sich über die Krankheit.
Im Moment ist Odin doch recht geschwächt. Wir gehen nur kleine Runden, damit er seine Geschäfte erledigen kann. Mehr schafft er nicht.
Er hat sehr viel Hunger und ist total liebebedürftig.
Nun hoffen wir, dass er keine weiteren Anfälle bekommt.
Habe hier noch eine recht informative Seite gefunden.
[url=http://www.planetpoodle.de/health/epilepsie/info.php]Planet Poodle - The German Poodle Magazine[/url]
Zitat:
Bei einem schweren generalisierten Anfall liegt das Tier bewußtlos auf der Seite mit mahlenden Kiefern, zuckenden oder paddelnden Gliedmaßen, Speichelfluß und möglicherweise Urinieren und Defäkieren.
Dieser Anfallstyp dauert im allgemeinen nur ein paar Minuten und ist der bei vererbter Epilepsie und ausgedehnter Betroffenheit des Gehirns beobachtete Anfallstyp.
Das Anfallsereignis erzeugt elektrische Energie, die in einer höchst anomalen Weise durch die Schaltkreise des Gehirns übertragen wird. Das Gehirn wird zeitweise erschöpft und Konfusion und Desorientierung sind die Folge. Die neuronalen Zellen sind erschöpft und können benötigte Stoffwechselprodukte nicht verwerten.
Die Phase nach dem Anfall, welche durch Desorientierung, Speichelfluß, Umherwandern, Teilnahmslosigkeit und/oder vorübergehende Blindheit gekennzeichnet ist, kann tagelang anhalten und ist ebenso bedeutsam wie die Anfallsphase Das Tier kann erschöpft sein und schlafen wollen oder es kann überaktiv sein und in Gegenstände hineinlaufen oder mit ihnen zusammenstoßen. Es kann hungrig und durstig sein oder muß urinieren und defäkieren. Die Schwere der postikte-rischen Phase reflektiert nicht die wahre Natur der zugrundeliegenden neurologischen Funktionsstörung. Die postikterische Phase ist oft der ernstere Aspekt der ganzen epileptischen Ereignisabfolge. Da viele Anfallserkrankungen nachts auftreten, ist dies oft die einzige Phase, welche durch den Besitzer des Tieres beobachtet wird.
STATUS EPILEPTICUS
Status epilepticus bedeutet mehrere Anfälle, einer nach dem anderen, oder einen verlängerten Anfall. Dies kann schwere Hirnschädigungen durch übermäßigen Energieverbrauch hervorrufen, wodurch Hypoxie, Erweiterung der Blutgefäße und Hirnödem entstehen. Dieser Notfall muß schnellstens behandelt werden.
ALLGEMEINE BEOBACHTUNGEN
Ausgenommen im Status epilepticus (fortwährende Anfälle) sterben die Tiere selten an einem Anfall. Die meisten Anfallskrankheiten werden sich, ungeachtet der Ätiologie, verschlechtern, wenn sie nicht kontrolliert und behandelt werden und bei nahezu jeder Anfallskrankheit werden Rückfälle auftreten (sogar bei denen, die gut kontrolliert werden). Die Exazerbation einer Anfallskrankheit nach erfolgreicher Behandlung bedeutet gewöhnlich, daß ein aggressiverer Therapiekurs angezeigt ist, deutet aber wahrscheinlich nicht darauf hin, daß die Schädigung sich verschlimmert hat. Falls die antikonvulsive Medikation gestoppt wird, treten beim Patienten oft erneut eine Reihe von Anfällen oder ein Status epilepticus auf.
Im allgemeinen wird die Behandlung von Anfällen umso erfolgreicher sein, je jünger das Tier ist, falls keine ernste oder progressive strukturelle Hirnschädigung besteht. Die erfolgreiche Behandlung von Anfällen erfordert oft mehrere Medikamente. Ein Versuch mit einem oder mehreren Typen von Medikamenten ist oft angezeigt, bevor eine erfolgreiche Kombination oder Dosierungshöhe gefunden wird. Wenn die Medikamente per os gegeben werden, dauert es gewöhnlich einige Tage, bis ein therapeutischer Effekt eintritt. Anfälle können kurz nach Beginn der Behandlung auftreten. Dies bedeutet aber nicht, daß die Behandlung nicht effektiv ist, sondern nur, daß die Zeit zu kurz war, um eine wirksame Konzentration des Medikaments im Körper zu erreichen. Wechselnde Arten von Anfällen zeigen eher unkontrollierte oder unzureichend behandelte Arten von Anfällen als eine progressive Hirnerkrankung an.
Allgemein gesprochen, je länger das Tier die Krankheit hat, desto besser ist die Prognose. Die meisten Anfallspatienten ohne fortschreitende strukturelle Erkrankung können zumindest teilweise kontrolliert werden.
|