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AW: Odins Krankentagebuch - Epilepsie beim Hund , Ehrlichiose , Rickettsiose (Jaybiene, 22.03.2008, 18:52)
Unser Hund (Belgischer Schäferhund, Groenendael) ist knapp 2 Jahre alt und hatte Mitte Februar seinen ersten epileptischen Anfall.
Es war eine ganz schlimme Erfahrung für uns, denn wir wussten nicht, was mit ihm los war und dachten, er hätte was verschluckt und würde daran ersticken!
Ich habe am ganzen Körper gezittert, ach, nicht nur ich, meine Tochter und mein Mann ebenfalls - es waren die längsten 2 Minuten meines Lebens... so lange hatte der Anfall in etwa gedauert.
Als alles vorbei war und wir wenigstens etwas klarer denken konnten, kamen wir schon auf Epilepsie - und fuhren mit ihm in die Tierklinik. All das passierte natürlich am Wochenende - und auch noch an meinem Geburtstag, obwohl das plötzlich nicht mehr wichtig war.
Gottseidank hatte "unser Ärztin" Notdienst - ach, sie ist die Beste überhaupt *schmunzel*.
Etwas ernster: In der Vergangenheit hatten wir mit anderen Tierärzten nämlich nicht immer die besten Erfahrungen gemacht, im Gegenteil, manchmal dachte man noch, die Diagnose selbst mitbringen zu müssen.
Aber nun war alles anders: Diese Tierärztin IST kompetent, aber auch tierlieb und einfühlsam. Also genau die richtige Mischung aus Herz und Verstand!!
Cayo war nach diesem doch sehr heftigen Anfall (Grand Mal) sehr, sehr aufgeregt. Wer die Belgier kennt, weiß, dass sie von Haus aus sehr lebhaft sind - aber jetzt war's extrem, er benahm sich bald wie das Eichhörnchen Hammy aus "Ab durch die Hecke"!
Die Ärztin spritzte ihm deshalb Valium und gab uns als Notfallmedikament Diazepam mit.
Auf eine Therapie wollte sie vorab verzichten, sondern abwarten, ob es überhaupt zu einem weiteren Anfall kommen würde. Sie instruierte uns noch, informierte uns ausführlich über Epilepsie und so fühlten wir uns wenigstens nicht mehr ganz so hilflos.
In der nächsten Zeit habe ich dann unseren ISP mächtig gestresst, weil ich sooft es ging online war, um nach Informationen und privaten Erlebnisberichten über diese tückische Krankheit zu forschen.
10 Tage später bekam Cayo seinen zweiten Anfall!!! Ebenfalls ein Grand Mal - er lag auf der Couch zwischen meiner Tochter und mir, als es passierte. Er dauerte ähnlich lang wie der erste, aber Cayo war beim Anfall selbst etwas ruhiger. Bei beiden Malen war er bei Bewusstsein.
Am nächsten Morgen folgte der 3! Er war nicht ganz so stark und heftig, es handelte sich "nur" um einen Streckrampf. Dauer: ca. 1 Minute.
Wie es der Zufall wollte, hatten wir gerade an diesem Tag einen Beratungstermin in der Tierklinik. Wir wollten uns ausgiebig über die Risiken und Chancen einer Kastration bei Epi-Hunden informieren.
Schon vorher empfahl uns die Ärztin, über diese Möglichkeit einmal nachzudenken, denn vielen Hunden hätte eine Kastration sehr geholfen! Das Thema Kastration bei Epi-Hunden ist so komplex und vielschichtig, dass ich darüber gerne an anderer Stelle ausführlicher berichten möchte und auch, weshalb wir uns letztendlich dafür entschieden haben!
Seinen 4. Anfall bekam Cayo einen Tag nach dem Fädenziehen. Er war sehr aufgeregt gewesen, wahrscheinlich dachte der arme Kerl, er müsste nochmal operiert werden!!!
Der Anfall war wirklich sehr schlimm! Er drehte sich und sprang und zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen! Aber dann war ich schon bei ihm um ihn zu halten und zu beruhigen. Der ganze Hund war naß und voller Urin und schaumigen Speichel. Es ist ein schrecklicher Anblick - Cayo tat uns sooo leid!!!
Er ist IMMER bei Bewusstsein, hinterher aber komplett derangiert. Er weiß einfach nicht, WAS mit ihm passiert und WARUM. Deshalb sind wir immer bei ihm, trösten und machen Mut, so gut es geht.
Es folgten dann noch 2 weitere Anfälle - den letzten bekam Cayo um 2 Uhr morgens.
Nun kamen wir um eine Therapie nicht herum. Die Tierärztin verordnete Cayo Luminal. Das ist, wie ihr wisst, das Mittel der ersten Wahl bei Epi-Hunden. Er bekommt jeweils morgens und abends eine halbe Tablette. Die Feineinstellung und Bestimmung des Phenobarbitalspiegels erfolgt dann 3 bis 4 Wochen später.
Cayo ist durch die Luminal-Tabletten erwartungsgemäß ziemlich "lummerig" geworden. Er, der Schnelle, der Geschickte, der Sprinter - stieß plötzlich gegen Türen und erfand die Langsamkeit der Zeit.
Uns wurde gesagt, dass die sedative Wirkung ungefähr 2 Wochen anhielte, wärend die gewünschte antiepileptische andauere.
Bevor ich es vergesse: Selbstverständlich ist Cayo im Wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren geprüft worden, das "volle Programm" sozusagen und dieses Ausschlussverfahren in der Tierklinik ergab dann auch primäre Epilepsie. Eine erworbene konnte demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
Das sind erstmal die groben Eckdaten auf die Schnelle. Im Augenblick tobt er mit unserem Kater über Tisch und Bänke, wenn man es ganz genau nimmt, müsste man sagen, Couch und Sessel - und dies ist durchaus wörtlich zu nehmen.
Er ist schon seit Tagen nicht mehr so beduselt - uns freut das sehr. Denn von Natur aus ist Cayo ein lebenslustiger, immer freundlicher Hund, der mit seinem Charme jeden für sich einnimmt - sogar das Klinikpersonal! ;-)
Wir wissen nicht, WIE es weiter geht, wir wissen aber, DAS es weiter geht - und hoffen, dass sowohl die Tablettentherapie als auch die Kastration helfen, unseren Cayo vielleicht sogar ganz symtomfrei zu bekommen. Aber letzteres ist, wie gesagt ein weites Feld, darüber werde ich dann später mal was schreiben.
Heute ist Cayos 12. anfallsfreier Tag. Ich wünsche mir sooo für ihn, dass es lange so bleibt. Falls nicht, lassen wir uns nicht entmutigen, denn die Feineinstellung steht noch aus - und die Dosis von 100mg pro Tag für einen 24kg-Hund ist auch nicht übertrieben hoch.
Da steckt, wie in Odins Fall, sicher noch eine Menge Therapiepotential.
Geändert von Jaybiene (22.03.2008 um 19:14 Uhr)
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