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Registriert seit: 03.07.2007 Nominated 0 Times in 0 Posts TOTW/F/M Award(s): 0 | Dimitri Sartison und die Chance seines Lebens
Wer ein großes Ziel verfolgt, muss manchmal ungewöhnliche Wege gehen, um es zu erreichen.
Dimitri Sartison (28) ist seit September 2003 Profi beim Hamburger Spotlight-Stall. Seitdem bestritt der 1,77 m große Athlet 22 Kämpfe (22 Siege, 14 K. o.). Der in Kasachstan geborene Deutsche, der seine Karriere 1994 beim BC Gifhorn begann, ist seit 2007 mit Ehefrau Regina verheiratet. Das Paar lebt in Wandsbek. In seiner Freizeit beschäftigt sich Sartison, der neben Boxen alle Ballsportarten liebt, mit Autos. Er selbst fährt einen Golf IV.
Dimitri Sartison (28) ist seit September 2003 Profi beim Hamburger Spotlight-Stall. Seitdem bestritt der 1,77 m große Athlet 22 Kämpfe (22 Siege, 14 K. o.). Der in Kasachstan geborene Deutsche, der seine Karriere 1994 beim BC Gifhorn begann, ist seit 2007 mit Ehefrau Regina verheiratet. Das Paar lebt in Wandsbek. In seiner Freizeit beschäftigt sich Sartison, der neben Boxen alle Ballsportarten liebt, mit Autos. Er selbst fährt einen Golf IV. Foto: Marcelo Hernandez
Hamburg -
Und so staunten die Sparringspartner, die Dimitri Sartison im Universum-Gym an der Walddörferstraße auf seine nächste Aufgabe vorbereiten sollten, nicht schlecht, als ihnen vor den Einheiten im Ring ein großflächiges Tattoo auf den rechten Arm gemalt wurde.
Sartison, ein 28 Jahre alter Supermittelgewichts-Boxprofi, trifft morgen in den Bröndby-Hallen von Kopenhagen im Kampf um den vom Australier Anthony Mundine Ende Mai niedergelegten WBA-WM-Titel auf den Dänen Mikkel Kessler. Gemeinsam mit seinem Mentaltrainer Heiko Hansen hatte er in der Videoanalyse von Kesslers Kämpfen festgestellt, dass dessen ein keltisches "Tribal"-Motiv zeigendes Tattoo die Gegner verwirrt. Während diese auf den rechten Arm schauen, kommt die linke Führhand brutal ins Ziel. "Wir wollten das im Training simulieren, damit ich im Kampf damit umgehen kann", sagt Sartison - und lächelt dabei wie ein Lausbub, der gerade einen perfekten Streich ausgeheckt hat.
Dass dieser Dimitri Sartison sich einmal derart akribisch auf einen Kampf vorbereiten würde, war zu Beginn seiner Profilaufbahn nicht abzusehen. Als ihn Spotlight-Chef Dietmar Poszwa im September 2003 als Gründungsmitglied in sein Unternehmen holte, galt der in Kasachstan geborene Athlet als mit großartigen Fähigkeiten ausgestattetes Bewegungstalent mit dem Hang zur Faulheit, als schlampiges Genie. Die ersten Profikämpfe untermauerten diese Vorurteile. Sartison bewegte sich im Ring wie ein Tänzer, allerdings verteidigte er sich auch so und brachte durch seine Mätzchen, mit denen er seine überforderten Aufbaugegner vorführte, das Publikum gegen sich auf. Arrogant und selbstgefällig wirkte er.
Doch dann kamen die Jahre 2006 und 2007, Sartison hatte mit diversen Verletzungen und Krankheiten zu kämpfen, und diese Zeit half ihm zu erkennen, wie kurz die Spanne sein kann, in der ein Leistungssportler etwas erreichen kann. Seitdem arbeitet er mit Trainer Magomed Schaburow, den er seit 1997 kennt, fokussiert wie nie. Dabei hat der gelernte Industriemechaniker seine Stärken - exzellente Beinarbeit, überragende Technik, überraschende Variabilität - erhalten und seine Schwächen - hängende Deckung, zu wenig Schlagkraft, Überheblichkeit - in den Griff bekommen. Und was besonders beeindruckt: Er ist auch vor der Chance seines Lebens entspannt. "Ich habe doch keinen Druck. Ich bin der Underdog, und von Kessler erwartet jeder einen Sieg. Warum also sollte ich nervös sein?", fragt er.
Natürlich wird die Anspannung in den Stunden bis zum Kampf steigen, aber wer Sartison beobachtet, der spürt, dass seine Coolness nicht aufgesetzt ist. Er ist ein Mensch, der sich selbst nicht gerne wichtig nimmt, und der deshalb den Eindruck vermittelt, auch andere nicht immer ernst zu nehmen. Er freue sich riesig auf seine WM-Chance, sagt er, "aber ich bin nicht der Typ, der im Mittelpunkt stehen mag. Ich bin ein ruhiger, häuslicher Mensch, brauche meine Familie, meine Freunde und sonst nicht viel." Dass sein Auftritt im deutschen Fernsehen nicht live gesendet wird, ärgert ihn schon, andererseits "will ich mir den Status als Hauptkämpfer beim ZDF verdienen", sagt er.
Kessler (29), der von seinen 40 Profikämpfen nur den letzten im November 2007 gegen die Legende Joe Calzaghe verlor, wird seinen nur Insidern bekannten Gegner nicht unterschätzen. "Sartison kommt nicht zum Spaß her. Ich muss alles zeigen, was ich kann, um zu siegen", sagte der Däne, der von 2004 bis 2007 WBA/WBC-Champion war. Ob der Kampf gegen den Favoriten nicht zu früh kommt, ist angesichts seines mit Namenlosen gefüllten Kampfrekordes eine Frage, die man Sartison stellen muss. Er überlegt kurz und sagt dann: "Ich warte seit 2003 auf die WM-Chance, fühle mich bereit und bin froh, dass meine Karriere endlich beginnt." Dann grinst er wieder, und doch hat man keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint mit dieser Antwort. Wie er überhaupt vieles ernster meint, als es wirkt. Vielleicht kann am Sonntag auch Kessler eine Episode dazu beitragen.(Hamburger Abendblatt )
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