| Interview Arthur Abraham Interview Arthur Abraham
"Geld? Für mich geht es nur um die Ehre"
Der Boxweltmeister über sein US-Debüt und seine Gefühle gegenüber dem "Kieferbrecher" Edison Miranda.
Abendblatt:
Herr Abraham, Sie kämpfen am Sonnabend zum ersten Mal als Profi in den USA. Geht damit ein Traum in Erfüllung?
Arthur Abraham (28, IBF-Mittelgewichts-Weltmeister):
Nein, die USA sind gar nicht so meine Welt. Ich liebe Deutschland und boxe am liebsten dort. Aber wer ein großer Champion sein will, muss auch in den USA gekämpft haben.
Abendblatt:
Das Geld, das dort gezahlt wird, ist ja auch nicht schlecht.
Abraham:
Das stimmt, aber Geld ist nie meine Motivation gewesen. Wenn man nur daran denkt, gewinnt man keinen Kampf. Für mich geht es zunächst um die Ehre, danach darum, meine Fans zu begeistern. Dann kommt Geld.
Abendblatt:
In den USA fangen Sie von Null an, sind nur Insidern bekannt. Wird es schwer sein, sich an diese Rolle zu gewöhnen?
Abraham:
Nein, denn ich denke, dass ich mich mit zwei, drei Kämpfen dort schnell bekannt machen kann. Die Atmosphäre dort interessiert mich auch nicht, denn im Ring sind letztlich alle gleich, da hilft auch ein hoher Bekanntheitsgrad nicht.
Abendblatt:
Für Ihr US-Debüt haben Sie sich mit Edison Miranda den Mann ausgesucht, der Ihnen im September 2006 in Wetzlar den Kiefer gebrochen hat. Durch diesen Kampf, den Sie trotz der irren Schmerzen und der starken Blutung nach Punkten gewannen, sind Sie berühmt geworden. Erinnern Sie sich an den Moment, als der Kiefer brach?
Abraham:
Nein. Ich habe den gesamten Kampf vollständig verarbeitet. Ich denke weder an die Schmerzen zurück noch an meine Energieleistung danach. Das war schon immer so bei mir, dass ich mich mit Vergangenem nicht mehr aufhalte.
Abendblatt:
Trotzdem nehmen Sie sich mit Miranda nun zum ersten Mal einen Gegner ein zweites Mal vor. Das sieht danach aus, dass die Vergangenheit doch nicht ganz bewältigt ist.
Abraham:
Miranda hat nach diesem Rematch, in dem es nicht um meinen Titel geht, verlangt. Er hat es nicht geschafft, mich trotz eines doppelten Kieferbruchs zu besiegen. Warum sollte ich also vor ihm kneifen? Ich muss niemandem etwas beweisen, aber ich bin heiß darauf, ihn seine großen Worte fressen zu lassen.
Abendblatt:
Miranda hatte schon vor ihrem ersten Duell mit der "Halsdurchschneide-Geste" provoziert. Seitdem hat er Sie oft verbal angegriffen und verspottet. Fühlen Sie ein wenig Wut oder sogar Hass ihm gegenüber?
Abraham:
Nein, Hass nicht, das wäre auch fatal im Ring, wo man immer kühlen Kopf bewahren muss. Aber ich mag Miranda nicht, er ist mir sehr unsympathisch. Er hat keine Erziehung, keine Kultur. Ich nehme das, was er alles redet, auch nicht ernst. Im Ring wird er sowieso wieder brav sein, wenn er ein paar Schläge bekommen hat. Gegen so einen Menschen will ich nur kämpfen, aber danach nichts mehr mit ihm zu tun haben.
Abendblatt:
Was kommt nach dem Kampf mit Miranda? Weitere Kämpfe in den USA? Eine Titelvereinigung mit Felix Sturm?
Abraham:
Erstmal bin ich froh, wenn alles vorbei ist. Dann muss ich zum Zahnarzt, ein Implantat einsetzen lassen. Danach ist Urlaub. Und was dann kommt, werden wir sehen.
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