Türken-Hetze im Netz (kilometerfresser, 24.06.2008, 19:55)
Rechte fantasieren vor dem Halbfinale
Türken-Hetze im Netz
Im Web kursieren vor dem Halbfinale Warnungen vor "türkischen Gewalttätern". Public Viewing bedeute "Lebensgefahr für deutsche Fans", heißt es beim Aktionsbüro Norddeutschland. VON ANDREAS SPEIT
HAMBURG taz In der rechtsextremen Szene kursieren vor dem Halbfinalspiel zwischen der türkischen und der deutschen Mannschaft Warnungen - allerdings nicht vor rechtsextremen, sondern vor angeblich "vielen türkischen Gewalttätern". Public Viewing, schreibt das "Aktionsbüro Norddeutschland", bedeute "Lebensgefahr für deutsche Fußballfans auf den Fanmeilen!"
Das Internetprojekt aus dem Spektrum der "Freien Kameradschaften" geht davon aus, dass Hunderttausende deutsche Fans zu den Fanmeilen kommen dürften. "Als Folge der verantwortungslosen Überfremdungspolitik werden sich allerdings auch mindestens ebenso viele Türken öffentlich versammeln." Sehr hoch sei die Wahrscheinlichkeit, "auf größere Gruppen aggressiver Türken zu treffen, die dann ihr Messer zücken und gewaltsam auf Deutsche losgehen".
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Politik und Medien bemühten sich, ein gemeinsames neues "Sommermärchen" herbeizureden, lästert das Portal Altermedia, das in der Szene ebenfalls zu den zentralen Internetadressen gehört: "Von einem riesigen ,Integrationsfest' auf der Berliner Fanmeile ist da die Rede". Und fragt: "Heute schon gekotzt?" Besonders unglaublich sei, heißt es da, die Aussage von "Türken-Vertreter" Faruk Sen, der zufolge "seine Landsleute friedlich bleiben". Trotz Integrationsdefiziten hatte der Forscher betont, keine gestiegene Konfliktgefahr zu sehen. "Nein, natürlich nicht", schimpft Altermedia und erinnert statt an rechtsextreme Gewalttaten lieber daran, dass gerade in München "ein Grieche und ein Türke vor Gericht" stehen, "die einen deutschen Rentner (…) fast totgeschlagen hätten". Ebenfalls mit Entsetzen wahrgenommen wird dort das Zitat von Grünen-Chefin Claudia Roth in der türkischen Hürriyet: "Ich kann nicht verstehen, dass so talentierte Spieler wie Hamit Altintop und Hakan Balta für die Türkei spielen, wenn sie in Deutschland geboren sind." Roth wolle "Türken in die deutsche Nationalelf", erregt man sich bei Altermedia.
Schon zuvor hatte das Portal die Absage des Public Viewings in Oberhausen genutzt, um gegen "traumtänzerische" Vorstellungen zu wettern, es könnte einen friedlichen Abend geben. Für Gewalt von "jugendlichen Türken" bedürfe es nicht "zwingend einer Niederlage", schreibt das "Aktionsbüro", das die Stimmung mit Aufrufen wie diesen aufheizt: "Kameraden, informiert eure Bekannten, Verwandten, Nachbarn und Arbeitskollegen rechtzeitig vor möglichen Übergriffen." ANDREAS SPEITQuelle : TAZ
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