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HSV / Streit (kilometerfresser, 17.04.2008, 10:26)
HSV Erstmals offene Kritik am Trainer
Kapitän van der Vaart attackiert Stevens
Ivica Olic wollte gar nichts mehr sagen. "Ich muss zur Therapie", entschuldigte sich der Kroate einen Tag nach seinem verschossenen Elfmeter bei Hertha BSC. Gemeint war zwar nur die körperliche Behandlung bei den Masseuren, doch seine Aussage war durchaus doppeldeutig zu verstehen.
Hamburg -
Nach nur drei Siegen aus nunmehr 13 Bundesligaspielen ist die Psyche der Profis deutlich angeschlagen, das konnten auch die üblichen Durchhalteparolen nicht kaschieren. "Wenn wir so weitermachen, werden wir auch wieder gewinnen", sagte beispielsweise Joris Mathijsen, der wie Trainer Huub Stevens in der offensiv ideenlosen Partie in Berlin sogar einen "Fortschritt gegenüber den letzten Heimspielen" erkannt haben wollte.
Intern jedoch sind die HSV-Profis deutlich angespannter, als sie es zugeben wollen. "Natürlich reden wir uns nicht alles schön", sagte Piotr Trochowski. Und ausgerechnet der eben noch optimistische Mathijsen ergänzte: "Der Ton ist deutlich rauer geworden. Aber das darf nicht an die Öffentlichkeit, wie zuletzt. Ansonsten haben wir unnötigen Ärger." Untereinander - und mit dem Trainer. Wie im Fall Vincent Kompany.
Der Belgier hatte sich nicht mit allen Ansagen des Trainers anfreunden können und daraufhin lautstark interveniert (Abendblatt berichtete). Stevens, der in seinen Entscheidungen und Maßnahmen bislang als unantastbar galt, suspendierte den aufmüpfigen Nationalspieler daraufhin.
Das einstige Bild von der harmonischen Fußball-Familie mit Oberhaupt Stevens bekommt immer weitere Risse. Ausgerechnet Kapitän Rafael van der Vaart, dem von belgischen Zeitungen ein Disput mit Kompany unterstellt worden war, was der Niederländer jedoch dementierte, ergriff gestern Partei für seinen Mannschaftskollegen und kritisierte den "Unantastbaren".
Van der Vaart über Stevens: "Ich habe die Maßnahme nicht verstanden. Es kann nicht sein, dass ein Spieler, nur weil er schlecht gespielt hat, plötzlich nicht mehr dabei ist. Zumal wir alle schlecht gespielt haben. Vincent ist ein wichtiger Spieler für uns, der in schweren Zeiten für uns da war. Jetzt sollten wir auch für ihn da sein."
Aber nicht nur bei van der Vaart, der das Duell in Berlin wegen seiner Gelbsperre vor dem heimischen Fernseher statt auf der Tribüne im Olympiastadion verfolgt hatte, auch innerhalb der Mannschaft macht sich Unmut breit. Ohne den Namen Stevens in den Mund nehmen zu wollen, bestätigten auch Trochowski, Mathijsen und Collin Benjamin ("Ich fand die Entscheidung schon sehr hart"), wie wichtig Kompany für die Mannschaft sei - und lehnten sich erstmals öffentlich gegen eine Entscheidung des Niederländers auf. Dieser wiederum hatte nach der Duisburg-Niederlage im Fernsehen den Spielern vorgeworfen, einige seien mit ihren Gedanken wohl schon beim Feiern (Sylvie van der Vaarts Geburtstag, d. Red.) gewesen. Eine Aussage, die von den Profis nicht positiv aufgenommen wurde.
Um den schleichend-quälenden Abschied von den Champions-League-Plätzen doch noch verhindern zu können, klammern sich viele Spieler nun an das Aufeinandertreffen am übernächsten Sonnabend gegen Schalke 04. "Wir haben noch alles in der Hand", sagte Frank Rost, der nach der Leistung gegen Hertha "mit erhobenem Haupt" die Heimreise antrat, denn: "Bessere Chancen als wir kannst du auswärts doch nicht bekommen." Aber der verschossene Elfmeter sei eben passend zur Situation gewesen.
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