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Alt 30.05.2005, 12:16
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Registriert seit: 17.11.2002
Beiträge: 859
Freeze befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Reden

Ein sch?ner Tag im Freibad (Freeze, 30.05.2005, 12:16)


Ein sch?ner Tag im Freibad

ich packe so gegen 11 Uhr an einem freien Mittwoch mein Handtuch, ein Buch, eine Flasche Mineralwasser und eine Flasche Sonnencreme ein und setze mich ins Auto.
Nat?rlich m?sste ich nicht mit dem Auto fahren. Ich k?nnte ja auch mit
dem Rad fahren. Aber Rad fahren ist genauso zum Kotzen wie Stra?enbahn fahren... und zu Fu? geht nun wirklich nicht!

Also, ich fahre zum Schwimmbad.

Je n?her ich dem Schwimmbad komme, um so gr??er wird die Zahl der
Radfahrer,die mit sonnigem Gem?t kreuz und quer nebeneinander und
sowieso ?berall auf der Strasse herumschlingern, die Sonnenbrille auf der Nase und tonnenweise Krempel im K?rbchen, wie zum Beispiel Luftmatratzen, K?hlboxen, Sonnenschirme oder ihren Nachwuchs. Man k?nnte glauben, manche w?ren aus ihren H?usern vertrieben auf dem Weg in die Fremde ...

Aber nein, sie wollen tatsachlich nur einen Tag ins Schwimmbad. In
tiefem Vertrauen auf den lieben Gott und meine Geduld rauschen sie also
unkoordiniert vor meinem Auto herum...

Aber ich lasse mich nicht entmutigen und suche einen Parkplatz. Schatten
w?re toll. Am besten nicht zu weit weg. Ich suche ungef?hr eine halbe
Stunde und stelle mich dann eineinhalb Kilometer vom Eingang entfernt
gegen die Fahrtrichtung im absoluten Halteverbot auf einen sonnendurchfluteten Radweg, den die oben erw?hnten Bekloppten komischerweise eisern ignorieren.

Vor der Kasse steht eine riesige Menschenmenge. Darunter auch f?nf
?ltere Herren in Team Telekom-Outfits, die lauthals verk?nden, dass sie
nach 20 Kilometern Rad fahren jetzt noch 25 Bahnen schwimmen werden ...

Interessante Triathlon-Variante: mit dem Fahrrad ins Schwimmbad,
Herzinfarkt, und anschlie?end mit dem Krankenwagen wieder zur?ck.

Drei Teenies zwangen sich durch die Reihe nach vorn. Auf meinen
freundlichen Hinweis, sie sollten sich doch bitte hinten anstellen,
antwortet einer mit einem ebenso freundlichen: "Halt doch die Fresse, Wichser!"

Aber ich freu mich einfach nur weiter auf das k?hle Nass und passe
nebenbei auf, dass mir im Gedr?nge keiner den Geldbeutel klaut. An der
Kasse mache ich meinen Anspruch auf Studentenerma?igung geltend. Die
freundliche Dame bittet mich herein, l?sst sich Studentenausweis,
Personalausweis, Reisepass, F?hrerschein, EC-Karte, Organspender-Karte,
Impfpass und Geburtsurkunde vorlegen und unterzieht mich einem Lugendetektortest.
Nachdem das BKA meine Fingerabdr?cke und mein polizeiliches
F?hrungszeugnis ?berpruft hat, ew?hrt man mir tatsachlich erm??igten
Einlass in den Badespa?-Park!

Ich suche mir ein nettes Pl?tzchen auf der Wiese, lege mein Handtuch auf
ein Ameisenloch und eine alte Portion Pommes und freu mich auf den
sch?nen Tag.

Die V?glein singen, die Kinder schreien und die Kids nebenan erfreuen
das ganze Schwimmbad mit dem lieblichen Geschrei von DJ Bobo und Daniel K?blb?ck, welches mit 112 Dezibel aus Ihrem Ghettoblaster dr?hnt.

Dann erfreue ich die Bienen und Wespen, indem ich mich von Kopf bis Fu?
mit einer pampigen stinkigen Sonnencreme einschmiere. Sofort summen sie lustig um mich herum ... Ach, das Leben ist sch?n!

Nachdem ich mich eine halbe Stunde in der Sonne ger?kelt habe, bekomme ich langsam Durst und greife zu meinem Wasser. Als ich gerade trinken m?chte, donnert mir ein Fu?ball lustig hinten auf die Birne, was dazu f?hrt, dass ich mir am Flaschenhals ein noch lustigeres kleines St?ck vom Schneidezahn abschlage.

Ich drehe mich um und da steht -so ein Zufall! Das sympathische kleine
Arschkind vom Eingang! Entschuldigend sagt der Kleine zu mir: "Gib mein
Ball her, du Missgeburt!" Da kann ich naturlich nicht nein sagen und
werfe ihm den Ball zu. Im Schwimmbad ist es echt toll!

Doch ein Schluck Wasser konnte mich nicht wirklich erfrischen. Zeit fur
einen Sprung ins k?hle Nass! Nachdem ich einen netten Mann neben mir
darum gebeten habe, doch ein Auge auf meine Sachen zu haben, w?hrend ich schwimme, schlendere ich zum Becken.

Hier ist es toll! Viele kleine Kinder rennen herum. Eins rennt mir mit
dem Kopf volle Kanne in die Eier und f?ngt an zu heulen. Maaaamaaaa!!!

Als ich mich noch unter Schmerzen auf dem Boden winde, kommt auch schon die Mutter angewalzt, die wahrscheinlich noch nie am Meer war (sonst h?tten die Jungs von Greenpeace sie l?ngst als vermeintlichen Blauwal in's Wasser zur?ckgew?lzt) und schreit mich ein wenig an, was mir einfiele, so einfach am Becken vorbeizugehen wenn ihr Kind da herumtobt. Ja, das tut mir nat?rlich Leid... h?tt' ich auch wirklich besser aufpassen m?ssen, ich Depp!
Endlich bin ich im Wasser. Das ist echt sch?n! Das Sonnen?l von tausend
Leuten schillert auf der Wasseroberflache, durch die Chlor-ver?tzten
Augen scheint die Welt in einen lieblichen Schleier geh?llt. Ich tauche
unter und genie?e gerade den Wechsel zwischen kaltem Wasser und warmem Kinderurin, als mir ein nettes kleines Kind vom 3-Meter-Brett auf den R?cken springt.
Als ich japsend auftauche, um mich zu entschuldigen, sehe ich, dass es
ja genau das gleiche Kind wie eben war. Hach wie nett! Hoffentlich hat es
sich nicht weh getan. Es h?rt auch tats?chlich gleich auf zu weinen, nachdem ich ihm meine Uhr geschenkt habe. So ein liebes Kind! Raus aus dem Wasser, zur?ck zum Platz.

Als ich dort ankomme, ist der nette Nachbar, der ein wenig auf meine
Sachen aufgepasst hat, nicht mehr da.

Mein Geldbeutel auch nicht.

Daf?r aber sein Hund, der gerade mein Schnitzelbr?tchen frisst um danach
in meinen Turnschuh zu schei?en. Netter Hund!

Zu allem ?berflu? ist auch noch irgendwie die Wasserflasche geplatzt,
soda? alle meine Sachen nass sind.

Eigentlich bin ich sehr ausgeglichen ... aber jetzt ist es doch langsam
genug.

Ich packe meine Sachen zusammen und den bl?den Hund in die abschlie?bare K?hlbox seines freundlichen Herrchens. Selbige lasse ich, nachdem ich den Schl?ssel im Ablauf der Dusche versenkt habe, feierlich im Wellenbecken zu Wasser und schaue mir belustigt den wilden Ritt an, wahrend ich ein paar Takte "Surfin' USA" pfeife.

Mit dem Handy des Herrchens rufe ich eine 0190-Nummer an und werfe es
dann aufs Dach der Umkleidekabinen. Jetzt habe ich mich schon beinahe
beruhigt.

Ich schlendere zu meinem Fu?ball-Freund, nehme ihm den Ball ab und
schie?e ihn mit einem beeindruckenden Vollspann aus einem Meter
Entfernung direkt in seine fr?hliche Fresse. Nachdem er mit gebrochener Nase und einem aus mehreren Platzwunden blutendem Gesicht bewu?tlos nach hinten umgefallen ist, nehme ich die Gelegenheit wahr, in seinem Rucksack noch ein kleines Feuerchen zu legen und mache mich auf den Weg zum Ausgang.

Der Ghettoblaster der Terror-Kids macht ein gar lustiges Ger?usch, als
er ?ber den Zaun auf die dahinterliegende Bundesstrasse fliegt. Noch
lustiger ist das Ger?usch, als ihn kurz darauf ein 40-Tonner ?berrollt.

Als ich am Beckenrand vorbeikomme sehe ich meinen Kumpel vom
3-Meter-Brett.

Da der Bademeister gerade dabei ist, einen Telekom-Opa aus dem Becken zu fischen nutze ich den Moment, schnapp mir die Badehose des netten
kleinen Schweinepriesters und h?nge sie nicht weit entfernt an einen
hohen Ast.
Als ich am Ausgang ankomme schau ich mich ein letztes Mal um:

Der Fu?ball-Penner h?pft pl?rrend um seinen brennenden Rucksack herum, umringt von den Terror-Kids, die immer noch nicht den Verlust ihres Ghettoblasters bemerkt haben. Das Feuer hat inzwischen auf benachbarte Bastmatten ?bergegriffen, die kleine 3-Meter-Brett-Nervens?ge h?pft, umzingelt von 30 kreischenden M?dchen, nackt unter dem Badehosen-Baum herum und der nette Nachbar sucht verzweifelt seinen Hund.

Die fest verschlossene K?hlbox zieht immer noch ihre Bahnen im
Wellenbecken, und das Handy funkelt mir lustig vom Umkleidedach zu.
Die Rechnung muss inzwischen bei etwa 98 Euro liegen ...

Als ich zum Auto zur?ckkomme, fehlt die Radioantenne, und der rechte
Seitenspiegel ist abgetreten. Au?erdem h?ngt ein Strafzettel dran. Ich
nehme ihn ab, lese ihn aufmerksam durch und esse ihn dann auf.
Anschlie?end klaube ich die Reste meines Seitenspiegels auf, und verteile die scharfkantigen Splitter zusammen mit den ?berresten meiner Wasserflasche gleichm??ig auf dem Radweg.

Dann steig ich in mein br?tend hei?es Auto,. fahre los, und denke: Gar
nicht so schlecht, so ein Besuch im Freibad!



MfG Freeze

Freeze ist offline  
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  #2
Alt 30.05.2005, 12:36
JiggySiggy
Gast
 
Benutzerbild von JiggySiggy
 
Beiträge: n/a
:biggrin: nicht schlecht, da spricht mir jemand aus der Seele...
Den druck ich aus und dr?ck ihn dem n?chsten in die Hand der mich zum Baden mitschleppen will.

JS
 
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Stichworte
freibad, schner, tag


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