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Auf dem Arbeitsamt in Peine (00Eraser00, 15.04.2005, 14:41)
Auf dem Arbeitsamt in Peine
Da mein Arbeitsverh?ltnis an der TU M?nchen aufgrund eines befristeten Arbeitsvertrages am 29.02.2004 endete, nahm ich meine Rechte als deutscher Staatsb?rger wahr und meldete mich arbeitslos. Um an das Arbeitslosengeld zu kommen, muss man sich allerdings einmal zwangsberaten lassen. Man bekommen also irgendwann mal eine schriftliche Einladung, bzw. Vorladung und muss dann zu diesem Termin erscheinen.
Am Freitag, dem 05.03.04 fand also mein gro?er Auftritt in der Bundesagentur f?r Arbeit in Peine statt.
Ich erscheine p?nktlich um 10:00, klopfe an die T?r meiner pers?nlichen Beraterin aber es ist noch niemand da. Ist auch nicht weiter schlimm, dann warte ich halt noch ein wenig. Kurz darauf kommt die Bundesagentin f?r Arbeit den Gang herunter, schlie?t die T?re auf, an der ich geklopft habe und geht hinein. Ich denke mir "coole Sache" und gehe hinterher. Ohne sich umzudrehen sagt sie:
"Herr Streifinger"
"Ja"
"Sie haben einen Termin?"
"Ja"
"Sie werden aufgerufen!"
Na gut, geh ich halt wieder raus und mach die T?r hinter mir zu. Gleich drauf geht die T?r wieder auf:
"Herr Streifinger!"
GRMPF. Ich k?mpfe ein wenig gegen meinen dicken Hals, beschlie?e aber, h?flich zu bleiben und trete ein.
Ich: Guten Morgen.
Bundesagentin f?r Arbeit: -
Sie schaut mich nicht mal an. Starrt nur einige Minuten auf ihren Monitor und bl?ttert irgendwo rum.
Bundesagentin f?r Arbeit: Sie sind Diplom-Informatiker?
Ich: Ja.
Sie versucht auch gar nicht, irgendwie h?flich zu wirken. Sie spricht es nicht aus, aber es ist ganz klar: "Ich entscheide selber, zu wem ich h?flich bin. Und Du l?stiger arbeitsloser Winsler geh?rst heute nicht dazu."
Bundesagentin f?r Arbeit: Sie wollen eine Stelle als Projektingenieur?
Pause. ---
Das geht ja gar nicht!
Ich: Warum soll das nicht gehen?
Bundesagentin f?r Arbeit: Sie haben ja gar keine Ausbildung.
H??? ???
Ich: Nun gut, ich habe promoviert. Ich glaub schon, dass das eine Ausbildung ist.
An dieser Stelle muss man anmerken, dass ich bereits bei meinem ersten Termin schon diverse Formulare ausgef?llt habe und meinen Lebenslauf, nat?rlich mitsamt der Ausbildung ausf?hrlich geschildert habe. Ebenso wie diverse sonstigen Kenntnisse, die mich f?r eine etwaige Anstellung qualifizieren k?nnten.
Bundesagentin f?r Arbeit: Sie sind Informatiker! Wie kommen Sie auf die Idee, eine Stelle als Projektingenieur zu bekommen?
Ich: Naja, ich habe eben promoviert und denke, dass so eine Stelle ganz gut zu meiner Ausbildung passen w?rde.
Bundesagentin f?r Arbeit: Ja was promoviert? Sind sie Techniker?
Das ist zuviel. Ich muss laut lachen. Ja, klar. Ich hab mein Diplom gemacht und dann als Weiterbildung noch in drei Jahren den Techniker drangeh?ngt. Eigentlich wollte ich noch meine Gesellenpr?fung machen, bevor ich mir einen Job als Projektingenieur suche.
Ich: Nein, ich bin kein Techniker. Ich habe promoviert. Ich habe eine Doktorarbeit geschrieben und bereits im Dezember eingereicht.
Bundesagentin f?r Arbeit: Ja wie Doktor? Das h?tten Sie schon angeben m?ssen.
Ich habe es angegeben...
Ich: -
Sie liest wieder auf Ihrem Monitor...
Bundesagentin f?r Arbeit: Seit Dezember 2000 Promotion an der TU M?nchen. Ja und? Als was? Glauben Sie, das kann ich riechen?
Riechen wirst Du's nicht k?nnen, aber lesen vielleicht. Ich habe es jedenfalls auch angegeben... Langsam geht?s mir auf die Nerven... Ich versuche trotzdem ruhig zu bleiben. Wenn ich jetzt mit dem Fachgebiet H?chstfrequenztechnik ankomme, dreht die Agentin hohl...
Ich: In Hochfrequenztechnik
Bundesagentin f?r Arbeit: Ja und? Was ist das?
Ich: Hochfrequenztechnik ist ein Teil der Elektrotechnik und die wiederum ist ein Ingenieursfach.
Bundesagentin f?r Arbeit: Was haben Sie denn nun studiert?
Macht die das mit Absicht?
Ich: Ich habe Informatik studiert und in Hochfrequenztechnik promoviert.
Meine pers?nliche Agentin verzieht das --- nennen wir es Gesicht, sch?ttelt den Kopf, schnauft laut und tippt irgendwas in den Rechner.
Bundesagentin f?r Arbeit: Was haben Sie f?r Berufserfahrung?
Aha. Promotion in einem Ingenieursfach und eine Bewerbung als Projektingenieur geht also scheinbar zusammen. Oder sie hat aufgegeben.
Wenn ich Ihr jetzt erz?hle, dass ich frisch von der Uni komme und daher KEINE Berufserfahrung habe, platzt sie. Also bin ich gaaaanz vorsichtig.
Ich: Was habe ich denn zur Auswahl? Oder soll ich einfach mal aufz?hlen, was ich alles gelernt habe?
Bundesagentin f?r Arbeit: Ja, erz?hlen Sie mal.
Mist. Das wird nicht leicht. Aber vorsichtig sein kommt gut an. Die Agentin wird etwas ruhiger.
Ich: Puuh. Das ist ein weites Feld.
Bundesagentin f?r Arbeit: Haben Sie PC-Kenntnisse?
Neiiiin, ich muss sterben. Ich fall fast vom Stuhl vor lachen.
Ich: Entschuldigung. Ich habe 5 Jahre Informatik studiert. Ich denke schon, dass ich PC-Kenntnisse hab.
Lachen war nicht gut. Die Agentin verspannt sich wieder.
Bundesagentin f?r Arbeit: Ja was k?nnen Sie denn?
Na gut, ich versuche wieder ernst und freundlich zu bleiben.
Ich: Ich habe sehr gute Kenntnisse in verschiedenen Office-Paketen, Datenbanken, Programmierung, ...
Die Agentin f?llt mir ins Wort. Ich glaub, sie hat irgendwas geh?rt, das sie auch kennt.
Bundesagentin f?r Arbeit: Datenbanken? Welche Datenbanken kennen Sie denn?
Ich: Alle.
Jetzt ist sie richtig sauer. Sie schreit mich fast an.
Bundesagentin f?r Arbeit: Alle? Wissen Sie eigentlich, wie viele Datenbanken es gibt? Soll ich etwa hinschreiben, ALLE?
Gibt es da echt so viele?
Ich: Ich habe 5 Jahre lang Informatik studiert. Ich wei? ziemlich gut, wie viele Datenbanken es gibt. Wissen Sie, wie das Studium angelegt ist? Da lernt man die Grundlagen. Ich KANN mit ALLEN Datenbanken arbeiten.
Jetzt ist sie beleidigt, oder sowas.
Bundesagentin f?r Arbeit: Na gut, schreib ich rein ALLE.
Nach einer kurzen Pause wird sie wieder unglaublich laut. Ich glaub, sie denkt, sie hat mich jetzt erwischt.
Bundesagentin f?r Arbeit: Und Programmiersprachen? Soll ich da auch reinschreiben alle?
Also eigentlich ist mir schei?egal, was Du da reinschreibst. Job bekomme ich von Euch eh keinen. Mit meinen PC-Kenntnissen reicht es h?chstens zur Sekret?rin.
Ich: Nein, nicht alle. C, C++, Cobol. Diverse Skriptsprachen, aber wieder zu viele, um sie aufzuz?hlen. Au?erdem habe ich sehr gute Unix Kenntnisse.
Bundesagentin f?r Arbeit: Was JUNIK? Was ist denn JUNIK?
Doch, sicher. Das ist Absicht. Ich muss aber trotzdem ziemlich lachen. Das macht sie nat?rlich wieder sauer. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich ihr Lieblings-Arbeitsloser bin.
Ich: Ich buchstabiere: U-N-I-X. Das ist ein Betriebssystem.
Bundesagentin f?r Arbeit: Wenn Sie bei uns gef?hrt werden wollen, dann m?ssen Sie mir schon diese Fragen beantworten.
Wo willst Du mich denn hinf?hren?
Ich: Ja schon klar. Ich denke aber, ich k?mmere mich besser selber um einen Job. Sie brauchen mich nicht zu vermitteln.
Dann wollte ich noch wissen, wann ich wohl mit meinem Arbeitslosengeld rechnen kann. Dazu konnte die mir aber keine Auskunft geben. Wahrscheinlich hatte sie auch gar keine Lust mehr.
An den Leser:
Das ganze ist tats?chlich so gewesen, wie es da steht. Ich habe keine Konversation dazugedichtet oder weggelassen.
Falls Du Herr Gerster oder Herr Schr?der hei?t, dann ruf mich mal an. Ich wei? jetzt, wo das viele Geld hin ist.
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