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Riese auf Reisen - Ein Braunkohle-Bagger zieht um (Pit-Bumm, 01.04.2005, 20:51)
Riese auf Reisen - Ein Braunkohle-Bagger zieht um
Schaufelradbagger sind in jeder Hinsicht gigantisch. Bagger 260 etwa bringt rund 7.400 Tonnen auf die Waage. Dagegen wirkt der Absetzer 744 mit seinen 3.800 Tonnen fast schon klein. Doch was geschieht, wenn die Riesen ihre Arbeit an einem Ort erledigt haben und an einem anderen Ort wieder aufnehmen sollen?
Das besondere Ereignis findet im Rheinischen Revier statt: Mehrere Gro?ger?te ziehen vom Tagebau Garzweiler ?ber Land, den Fluss Erft und eine Autobahn in den Tagebau Hambach ? ein logistischer Kraftakt. Die Giganten kommen nur langsam voran. Vollgas beim Schaufelradbagger bedeutet: zehn Meter pro Minute. Ber?cksichtigt man s?mtliche Hindernisse, schafft er 30 Kilometer in 34 Tagen. Das ist wesentlich schneller, als die Gro?ger?te zu demontieren und am neuen Standort wieder aufzubauen. Eine solche Aktion w?rde zwei Jahre dauern.
Umzug mit Hindernissen
Damit sich die zw?lf Rampenfahrwerke von Bagger 260 in Bewegung setzen k?nnen, brauchen sie Strom. Mit an Bord daher: eine Kabeltrommel mit 1.200 Meter Kabel. Entlang der gesamten Trasse sind Stromquellen verlegt. Etwa alle 1.000 Meter m?ssen die Elektriker das Stromkabel des Baggers an die n?chste Kabelklemmstelle anschlie?en.
Doch weit aufw?ndiger ist die ?berwindung einiger Hindernisse. So m?ssen die Autobahn 61, die Erft, eine Eisenbahnstrecke und mehrere Stra?en ?berquert werden. Dabei unterst?tzen rund 40 Helfer die Fahrer der Kolosse. Per Funk erh?lt geben sie Anweisungen f?r die Fahrt, da der Fahrer selbst sein Fahrgestell nicht sehen kann. Die Trasse ist auf gerader Strecke 60 Meter, in Kurven sogar 80 Meter breit und f?hrt ?berwiegend ?ber Ackerfl?chen. Mehrere Bundes- und Landstra?en m?ssen gesperrt, mit Kies bedeckt, ?berquert und anschlie?end wieder ger?umt werden. Das passiert vor allem abends oder nachts. Der Kies ist n?tig, damit sich das Gewicht der Kolosse besser verteilen kann. Auch die Schienen der Eisenbahnstrecke Neuss/Horrem decken Raupenfahrzeuge mit Schotter ab.
Ein Fluss versperrt den Weg
Doch nicht nur der Auto- und Schienenverkehr muss weichen. Auch die Erft sch?tten die Arbeiter an zwei Stellen, an denen die Gro?ger?te sie ?berqueren m?ssen, mit speziellen Wasserbausteinen und Kies zu. Das Wasser flie?t w?hrenddessen durch Byp?sse.
Dann, ein neues Hindernis. Stromleitungen versperren den Weg und m?ssen abgeh?ngt werden. Die Stromkunden werden in dieser Zeit ?ber andere Leitungen versorgt. Zwei Jahre hat der Stromkonzern RWE an der Planung des Umzugs gearbeitet. Kosten des Projektes: Sieben Millionen Euro.
Eine Autobahn ruht f?r viele Stunden
Als letztes Hindernis ?berqueren Bagger 260 und Absetzer 744 schlie?lich die A 61. 19 Stunden haben sie daf?r Zeit, sonst wird es teuer. Eine letzte Anspannung, denn die eigens aufgesch?ttete Rampe aus Kies darf nicht zu steil sein. Sonst drohen die Giganten umkippen.
Vom Urzeitbaum zum Kohlebrocken
Braunkohle stammt aus dem Terti?r, vor etwa 20 bis 30 Millionen Jahren. Die heutigen Abbaugebiete waren einst von urzeitlichen W?ldern mit Farnen und m?chtigen Baumriesen bedeckt, die sich neben einer ausgedehnten Sumpfvegetation behaupteten. Diese urzeitlichen W?lder wurden ?berflutet, luftdicht abgeschlossen und mit der Zeit von Sand und Schlamm ?berdeckt. Durch den starken Druck entstand schlie?lich Braunkohle.
Sp?ter Siegeszug als Brennstoff
Erst im 18. Jahrhundert trat die Braunkohle ihren Siegeszug als Brennstoff an. Durch die einsetzende Industrialisierung stieg die Nachfrage stetig. Es entstanden die Vorl?ufer der heutigen Tagebaue. 1908 kam schlie?lich der erste Kohlenkratzbagger zum Einsatz. Kettenbahnen bef?rderten die Kohle in Fabriken, die daraus Briketts presste.
Fast alternativlos: Baggersprengung
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Braunkohle zu einem der wichtigsten Energietr?ger. Um den steigenden Bedarf decken zu k?nnen, m?ssen die Bagger immer leistungsf?higer und die Tagebaue immer gr??er werden. Doch nicht jeder Bagger kann einfach seinen Arbeitsplatz wechseln, wenn es an diesem Ort keine Kohle mehr zu f?rdern gibt. Ein Beispiel: die Lausitz. Hier legte man nach der Wende viele Tagebaue still, weil sich der Abbau nicht mehr rentierte. F?r die Gro?ger?te gab es keine Verwendung mehr. Unglaublich aber wahr: Die billigste Entsorgungsalternative ist meist die Zerst?rung.
Deutschland ist der gr??te Braunkohlef?rderer der Welt. Hier graben sich die riesigen Bagger durch die Landschaft und f?rdern pro Jahr rund 180.000 Tonnen des Rohstoffes. Wichtige Abbaugebiete liegen etwa im Rheinland und in Mitteldeutschland.
? Welt der Wunder GmbH
Quelle:
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