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Alt 06.09.2004, 17:50
Sammy
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Microsoft l?sst Raubkopierer-Seele durchleuchten (Sammy, 06.09.2004, 17:50)


STUDIE

Microsoft l?sst Raubkopierer-Seele durchleuchten

Von Michael Voregger
Wissenschaftler der Universit?t Witten haben sich mit dem Denken von Raubkopierern besch?ftigt und der Industrie ?berraschende Vorschl?ge gemacht. Die von Microsoft beauftragte Studie empfiehlt, die schwarzen Schafe als Kunden von Morgen zu sehen und sie nicht zu kriminalisieren.

"Uns ging es nicht so sehr um eine repr?sentative Umfrage, sondern darum, bestimmte Muster zu entwickeln", erkl?rt Hergen W?bken von der Universit?t Witten. Das Uni-Institut f?r Strategieentwicklung wollte die "digitalen Mentalit?t" der Raubkopierer mit einer Umfrage ergr?nden.

Im ersten Schritt wurden Experten aus Verb?nden, Institutionen, Parteien und Unternehmen befragt, um aus den Gespr?chen Thesen abzuleiten. Anschlie?end ?berpr?ften die Wissenschaftler die Ergebnisse in einer Online-Umfrage. Aus den Antworten der 500 Teilnehmer wurden 128 ausgew?hlt und analysiert.

Die Forscher wollten herausfinden, ob es eine bestimmte Mentalit?t des Raubkopierers gibt, und falls ja, welche besondere Denkweisen dahinter stehen.

Von den Befragten wissen 90 Prozent, dass die Raubkopie von Software einen Straftatbestand darstellt. Allerdings h?lt diese Erkenntnis zwei Drittel der befragten PC-Nutzer nicht davon ab, im privaten Bereich Raubkopien anzufertigen oder sie zumindest zu nutzen. 78 Prozent der Teilnehmer lehnen eine Bestrafung der Kopierer ab, wenn es um den privaten Bereich geht.

Kein Wunder: Nach einer Studie der Business Software Alliance (BSA) sollen 36 Prozent der weltweit auf Computern installierten Software raubkopiert sein. Der Schaden f?r die Softwarebranche wird im vergangenen Jahr mit 29 Milliarden Dollar beziffert. Westeuropa steuert demnach mit 9,6 Milliarden Dollar den gr??ten Fehlbetrag bei und in Deutschland soll der Anteil der Raubkopien bei 30 Prozent liegen.

Kopierer-Typologien

Die Wissenschaftler unterscheiden zwischen vier Gruppen von Raubkopierern, die sich durch unterschiedliche Computerkenntnisse und durch die Anzahl der angefertigten Kopien unterscheiden. Als PC-Freaks wird eine Gruppe von kompetenten Nutzern bezeichnet, die viel kopieren und die etwa zehn Prozent ausmachen.

"Es gibt eine zweite Gruppe von Usern, die sich nicht so gut auskennen und aus einer Art Sammelleidenschaft alles M?gliche auf ihre Festplatte ziehen, das sind die 'Hobby-User'", sagt Hergen W?bken. "Dann gibt es die so genannten 'PC-Profis', die sich sehr gut auskennen, wenig raubkopieren und auf etwa sieben Prozent kommen". Die gr??te Gruppe sind die "Pragmatiker" mit geringen Kenntnissen, die etwa 50 Prozent ausmachen und kaum Kopien anfertigen.

Die Frage, ob das Massenph?nomen Raubkopie so etwas wie eine soziale Bewegung der digitalen Gesellschaft darstellt, konnte die Studie nicht beantworten. Dazu waren die Grundlagen der Befragung zu d?nn und die Interviewpartner zu ausgew?hlt.

"Ideologen": Selten, aber laut

Als nicht rel***nt stufen die Wissenschaftler den Mentalit?tstyp des "Ideologen" ein, der auf Grund seiner Ablehnung von Softwaremonopolen das Kopieren legitimiert. "Es gibt nur sehr wenige Anwender, die f?r ein fundamentales Anrecht auf Information eintreten und auch Software als freies Gut betrachten", sagt Hergen W?bken. "In der ?ffentlichen Wahrnehmung wird diese kleine Gruppe allerdings sehr stark beachtet".

Die Wissenschaftler empfehlen Microsoft, bei den Privatanwendern auf juristische und polizeiliche Schritte zu verzichten. Den Kunden von morgen soll durch Aufkl?rung und Erziehung klargemacht werden, was unter einem eingeschr?nkten Verf?gungsrecht zu verstehen ist. "Wir haben diese Studie vor allem darum in Auftrag gegeben, um neue Impulse f?r eine differenzierte Ansprache von Raubkopierern zu erhalten", sagt Thomas Urek, Urheberrechtsexperte von Microsoft Deutschland.

"Wir wollen das Bewusstsein f?r das Problem Raukopieren sch?rfen und eine konstruktive Debatte dar?ber anzusto?en, die ohne Drohgeb?rden auskommt." Im Internet stellt der Softwarekonzern eine Lehrermappe und Kopiervorlagen f?r den Unterricht bereit, damit schon der Nachwuchs den Unterschied zwischen Eigentums- und Verf?gungsrecht lernen kann.

Das Fazit: Lieber umwerben als bedrohen

Bei der Software hat der Anwender inzwischen preisg?nstige und kostenlose Alternativen zu den Produkten von Microsoft. Dem Unternehmen wird deshalb geraten, pragmatisch zu reagieren und auf die verschiedenen Mentalit?tstypen zuzugehen. "Das Monopol von 90 Prozent hat Microsoft schlie?lich auch dadurch erreicht, indem man zum Beispiel bei Studenten den Austausch von Raubkopien ignoriert hat", erkl?rt Markus Beckedahl, Vorsitzender des Netzwerkes Neue Medien. "Die waren dann mit der Software vertraut und haben im beruflichen Alltag Produkte von Microsoft eingesetzt".

Die Wittener Studie ist nicht repr?sentativ und bietet in erster Linie Handlungsvorschl?ge f?r die Softwareindustrie, wie dem Raubkopieren ohne polizeiliche Ma?nahmen beizukommen ist. "Wenn man sich anschaut, welche Experten befragt wurden, dann wird schon klar, dass die Interessen des Auftraggebers eine gro?e Rolle gespielt haben", sagt Markus Beckedahl. "Die Adressaten waren zum Beispiel die Business Software Alliance, Vertreter der Parteien und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen". F?r die Wissenschaftler hat sich die Arbeit jedenfalls gelohnt, denn schon bekunden Vertreter der Musikbranche ihr Interesse an weiteren Antworten - und die sollen dann auch repr?sentativ sein.


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durchleuchten, lsst, microsoft, raubkopiererseele


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